Aussätzige und Exkommunizierte
Können Sie sich noch an die Sonntagspredigt vom 15.02.09 erinnern: Predigt zum Evangelium nach Mk 1,40-45 http://predigtgarten.blogspot.com/2009/02/6-sonntag-im-jahreskreis-b-15022009.html
„Kam es trotzdem zu einem näheren Sichtkontakt, musste der Kranke laut schreien: ‚Unrein, unrein!’ – Falls ein Aussätziger es damals wagte, näher als etwa zehn Schritte auf einen zuzukommen, durfte man mit Steinen nach ihm werfen.“
Was aber geschieht, wenn man Unreine nicht ausstößt und das über mehrere Jahrzehnte? Dann würden wir nach 40 Jahren einen Leib bzw. eine Gemeinschaft haben, die voller Aussatz wäre. Sprungbereite Aussätzige, die in jedem Gesunden einen Aussätzigen sehen, weil der Aussatz zur Normalität, die Reinheit zum Aussatz geworden ist. Priester, die selbst Aussätzig sind und nicht mehr zwischen rein und unrein differenzieren können, denn der Priester gilt als rein und somit gilt der Aussatz als rein. Feindselige Aussätzige, die jeden anfallen der nicht aussätzig ist. Aussatz ist vergleichbar mit einer Seuche.
„Sie erinnern sich bestimmt noch an die Rinderseuche BSE, an die Vogelgrippe und andere schockierende Lebensmittel-Skandale. Sofort reagieren die Verbraucher und meiden die entsprechenden Produkte.“
Oder die entsprechende Gemeinschaft, was sich an der Mitgliederzahl deutlich bemerkbar macht.
„Wer Aussatz hatte, war also von den anderen exkommuniziert und vermeintlich auch in den Augen Gottes. So jemand lebte dahin ohne jede Hoffnung, von Eitergeschwüren stinkend und voller Schmerzen in Leib und Seele.“
Es muss sich die Frage Stellen, wer sind die Anderen und kann ich mich durch Glaube oder Unglaube ebenfalls exkommunizieren, aus der Gemeinschaft Christi ausschließen und trotzdem Mitglied der Kirche sein?
Es gab einen Hohepriester der zu Jerusalem weilte und über alle Priester stand. In unserem Beispiel ist dieser nun Jesus von Nazareth, der seine Kirche auf einen Fels gegründet hat. Dieser Jesus hat den Dialog mit dem Aussätzigen nicht verweigert, mehr noch, er berührt ihn und er hatte auch Umgang mit den Sündern, aß und trank mit ihnen und antwortete den Schriftgelehrten und Pharisäern, die sich selbst für gerecht hielten: „Wahrlich ich sage euch, die Zöllner und Huren werden eher ins Reich Gottes kommen als ihr.“
Mit freundlichen Grüßen
Bochum
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